Hallo zusammen und willkommen zum letzten Teil meiner Pioneer Tester Reihe,
In diesem Bericht gehe ich auf das Thema DC-Laden ein und ziehe ein Gesamtfazit bzgl meiner SF2400 Pro Tests.
Vorab kurz mein Setup, damit klar ist in welchem Umfeld der SF2400 Pro arbeiten durfte:
große Dach PV Anlage: 10 kWp
kleine PV Anlage Garagendach: 1,86kWp (an Hoymiles HM-1500)
2xSF2400AC mit jeweils 2xAB3000X
Einspeiser mit Einspeisevergütung
DC-Laden
Um die Leistungsfähigkeit des SF2400 Pro, vor allem im Bereich DC-Laden, angemessen testen und beurteilen zu können, habe ich mir extra 8 PV Module der Marke Trina VERTEX+ NEG9R28 455W gekauft und diese 45° aufgeständert auf meinem Garagendach montiert. Die Wahl viel auf diese Module, da diese eine Vergleichsweise hohe Spannung bei niedrigem Strom haben und ich somit jeweils 2 Module parallel pro Eingang betreiben konnte. Macht also 3,64 kWp bei einer maximalen DC-Ladeleistung von 3000 W, genug also um den SF2400 Pro an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu bringen
Bei den Tests hatte ich immer auch ein Auge auf meinen Hoymiles, um das DC-Ladeverhalten vergleichen zu können.
Empfindlichkeit der MPPT Eingängen
Im Vergleich zum Hoymiles, springt der SF2400 Pro später an und hört auch eher mit dem DC-Laden auf. Da reden wir aber nur von ca 30 min und nur wenigen Watt. Zumindest für mich völlig irrelevant, da hier kaum Leistung verschenkt wird.
DC-Ladeleistung
Aufgrund der Überkapazität an den MPPT Eingängen konnte ich testen, ob der SF2400 Pro entsprechend seiner Spezifikationen mit bis zu 3000W DC-Laden kann. Fazit: Ja kann er problemlos.
Nebenbei habe ich die Temperatur mal mit getrakt. Auch ohne externe Kühlung blieb der SF2400 Pro auf bei Volllast unter 45°. Das geht mE nach in Ordnung.

DC Ladekurve
Wie schon öfters im Forum diskutiert, gibt es beim DC-Laden immer wieder kurze Leistungseinbrüche. Ich habe mir sagen lassen, dass dies durch die MPPT Tracker geschieht, die die optimale Leistung suchen. Keine Ahnung ob das stimmt. Nun ja, auf jeden Fall sieht die Ladekurve beim SF 2400 Pro aus wie ein Läusekamm. Im Gegensatz zieht der Hoymiles unbeirrt durchs Leistungsspektrum.
Mich persönlich hat dieses Ladeverhalten durchaus gestört, da diese Leistungseinbrüche mitunter alle 5 min kamen.


DC/AC Laden kombiniert
Steht nicht genug DC Leistung zur Verfügung, ist der SF2400 Pro in der Lage mit AC Laden aus dem Überschuss meiner Dach PV aufzufüllen. In diesem Fall läd der SF 2400 Pro gleichzeitig AC und DC bis zu 2400 W. Finde ich gut, so wird nichts verschenkt.
Bypass
Der Bypass beim DC-Laden ist mir während meiner Tests immer wieder negativ aufgefallen.
Zum einen wird ab ca 90% SoC die Modulleistung entsprechend der Aufnahmeleistung des Gerätes gedrosselt. Dh im Extremfall könnten 3000W von der DC Seite kommen, diese werden aber kurz vor 100% auf bis zu 70W gedrosselt.
Völlig unverständlich, da beim Laden über die Offgrid Steckdose die überschüssige Leistung in den Bypass geht. Warum funktioniert das beim DC-Laden nicht, liebe Zendure Ingenieure?
Für Nulleinspeiser ist das irrelevant, aber für mich als Einspeiser mit Einspeisevergütung sehr wohl ärgerlich.
Was mir ebenfalls negativ auffiel, war die Bypassleistung. Natürlich beträgt diese nur 2400W, ist ja eigentlich klar, hatte ich nur nicht auf dem Radar. Für mich als Einspeiser heißt das, dass ich auch hier wieder Strom verschenke.
Und wenn ich mir überlege, dass der SF2400 Pro DC+Offgrid 4500 W Ladeleistung hat, bei 2400W Bypass geht da für die Einspeiserfraktion im Fall der Fälle schon einiges verloren.
Weitere Auffälligkeiten
Wie schon bekannt, bleibt leider auch der SF2400 Pro vom 100% SoC Bug nicht verschont. Ich selber hatte auch Probleme mit dem Bypass, wenn der SoC bei 100% war. Und das obwohl der SF2400 Pro zu diesem Zeitpunkt in Home Assistant lief und nicht unter HEMS. Ich gehe bei dieser Problematik daher von einem Problem in der Gerätesoftware aus.
Testfazit
Der SF2400 Pro präsentiert sich als solide verarbeitete eierlegende Wollmilchsau, mit Schwächen im Detail.
Grundsätzlich verrichtet er seine Arbeit weitestgehend wie man es von ihm erwartet, dennoch schleichen sich immer wieder Probleme ein.
Besonders zu nennen wären hier der Bypass und die immer wieder auftretenden Temperaturprobleme (siehe frühere Tests).
Ich persönlich bin mit dem SF2400 Pro nie so richtig "warm" geworden, da er im direkten Vergleich mit dem Hoymiles WR und meinen bestehenden SF2400AC immer den Kürzeren gezogen hat, aber fairerweise muss man dabei bedenken, dass der SF2400 Pro all dies in einem Gerät vereint.
Die abschließende Bewertung des SF2400 Pro hängt für mich aber maßgeblich vom beabsichtigten Einsatzzweck ab und ob ich Einspeiser oder Nulleinspeiser bin.
Für PV Neulinge und Nulleinspeiser die was Vernünftiges zum fairen Preis suchen, als Komplettpaket inkl PV Module, sicher genau das Richtige, da die Möglichkeiten des Gerätes sehr vielfältig sind.
Als Ergänzung zu bestehenden Dach PV Anlagen würde ich jetzt den SF2400 Pro nicht uneingeschränkt empfehlen. Hier ist meines Erachtens nach der ältere SF2400AC die bessere Wahl, da dieser einfach ein genügsames Arbeitspferd ist, der genau das macht was man von ihm will und sich dabei auch nicht großartig um Temperaturen oder sonstige Rahmenbedingungen schert.
Alles im allem ist der SF2400 Pro ein wirklich gelungenes Produkt, dem aber an einigen Ecken noch der Feinschliff fehlt.
P.S.: Ich habe nach Beendigung meiner Tests die 8 Trina Module auf 2 Hoymiles HMS-1600 umgebaut. Die Probleme mit dem Bypass und dem Flohkamm ähnlichen Verlauf der Leistungskurve haben mich einfach zu sehr gestört. Ökonomisch sinnvoll mag diese Entscheidung nicht gewesen sein, aber mir persönlich geben die Hoymiles ein besseres Gefühl als es der SF2400 Pro konnte.


