Ich hatte den SF2400 AC+ nun knapp 4 Wochen im Einsatz und er hat im gesamten Zeitraum keinerlei Probleme gemacht. Ich musste nicht einmal die WLAN-Verbindung neu herstellen oder das Gerät neustarten. Sowas banales, positives merkt man oft erst, wenn man wieder auf ein anderes Produkt umsteigt. Mit anderem Produkt meine ich in dem Fall mein altes Setup, den Hyper 2000. Für die anstehenden Tests habe ich den SF2400 AC+ wieder separiert, um es möglichst neutral bewerten zu können. SF2400 AC+ werde ich im folgenden Text mit "AC+" abkürzen und Hyper 2000 mit "Hyper". Ich verwende den Ecotracker.
Inhaltsverzeichnis:
Standby-Verbrauch (Vergleich mit Hyper)
Offgrid Steckdose
Reaktionszeit (Vergleich mit Hyper)
Roundtrip Effizienz
Standby-Verbrauch
Meine Methode zur Ermittlung: Ich habe den AC+ auf Anschlag vollgeladen (100%) und ihn dann xx Stunden stehen lassen (24-26,5h in meinem Test). Danach habe ich den Speicher wieder auf 100% geladen und die nachgeladene Wh durch Anzahl an Stunden dividiert. Überwacht habe ich es mit einem Shelly Plug PM Gen3. Jeden Test habe ich zur Validierung zweimal durchgeführt und für mein finales Resultat den Durchschnitt errechnet.
Test1 126 / 24 = 5,25 Wh
Test2 134,7 / 26,5 = 5,1 Wh
Ergebnis: Der AC+ verbraucht im Standby ~ 5,175 Wh
Als Vergleich habe ich den Hyper ohne einen Akku AC-gekoppelt gemessen. Er zieht kontinuierlich 7,5 Wh wodurch mein Fazit ist:
Der AC+ ist im Standby ~ 30% effizienter als der Hyper.
Das finde ich top und eliminert eins meiner größten Probleme, die ich mit dem Hyper-Cluster-Setup hatte:
Der hohe Standby-Verbrauch bzw. niedrige Wirkungsgrad bei kleinen Lasten. (z.B. 200-300 W in/out)
Der AC+ ist, was den Standby-Verbrauch angeht, effizienter und hat gleichzeitig die doppelte Leistung vom Hyper, wow!
Standby Verbrauch mit eingeschalteter Offgrid Steckdose (Normaler Modus):
Mit AC-Kopplung:
~ 17+-1 Wh werden kontinuierlich aus dem Netz gezogen.
Ohne AC-Kopplung:
Test1: 740 / 24 = 30,83 Wh
Test2: 618 / 26 = 23,77 Wh
Ergebnis: Der AC+ verbraucht im Standby mit eingeschalteter Offgrid Steckdose ~ 27,3 Wh.
Offgrid Steckdose
Ich muss leider mit einer negativen Sache starten. TS1 aus der Community hat mich auf die Schutzleiterkontakte aufmerksam gemacht. Diese sind aus recht einfachen/dünnen Material. Ich kann mir vorstellen, dass bei häufigen Ein-/Ausstecken diese verbiegen oder gar abbrechen könnten. Für meinen Anwendungsfall werde ich die Offgrid Steckdose nicht häufig nutzen, aber ich bin froh sie zu haben.
Normaler Modus:
Als Test (ohne AC-Kopplung) habe ich eine Waschmaschine daran betrieben. Auch längere Phasen mit 2000 Watt waren kein Problem und die Maschine lief, wie an einer üblichen Steckdose. Test bestanden, nichts zu meckern.
Sparmodus:
Der Sparmodus funktioniert wie beschrieben. Er ist grundsätzlich wie der normale Modus, allerding schaltet er den AC+ nach 2 Std. ohne Gebrauch ab. Also wirklich vollständig aus. Wenn man versucht einen Verbraucher zu starten (in meinem Test ein Winkelschleifer), passiert nichts. Der AC+ lässt sich darüber auch nicht "aufwecken". Er muss über einen Druck auf den Knopf an der Front gestartet werden und hochfahren.
Wenn während des Sparmodus eine AC-Kopplung vorhanden ist, habe ich keinen Unterschied zwischen normalen und Sparmodus festgestellt. Der AC+ zieht dann dauerhaft die genannten ~ 17 Wh aus dem Netz.
Mikrowechselrichter Eingang:
Es muss zwingend eine AC-Kopplung des AC+ bestehen, sonst bricht der Ladevorgang über den Mikrowechselrichter ab. Ich hatte während des Ladevorgangs die AC-Kopplung unterbrochen und der AC+ ist in den Standby gewechselt, der Wechselrichter hat die Einspeisung beendet.
Ich würde mir noch wünschen, dass man den AC+ richtig "offgrid" an einem Mikrowechselrichter laden kann, also ohne Kopplung mit dem Haus-Netz.
Reaktionszeiten
Ich habe zwei unterschiedliche Testszenarien durchlaufen und dies jeweils beim Hyper und beim AC+ gemessen - mit einer Stoppuhr vorm Zählerschrank. Ich habe erst aufgehört die Zeit zu stoppen, wenn die Ziel-Leistung bzw. maximal Leistung erreicht war. Damit der Vergleich fair ist, wurde die Leistung vom AC+ auf 1200 W limitiert. Die Ergebnisse sind Durchschnitte von 10-15 Läufen. Der AC+ läuft über HEMS/Cloud und der Hyper über "lokales Wi-Fi". Das ist nicht ganz fair, aber es ist nunmal das Beste, was Zendure aktuell für den AC+ zu bieten hat, wenn man lediglich die Zendure App verwendet... ohne ZHA oder andere Bastellösungen.
- Testszenario: (Erhöhung der Einspeiseleistung)
Es wird mit 300 W entladen
Verbraucher einschalten (1800 W)
Es wird mit 1200 W entladen --> Messpunkt 1
Verbraucher ausschalten
Es wird mit 300 W entladen --> Messpunkt 2
Hyper:
Messpunkt 1: 8,6 Sekunden
Messpunkt 2: 6,5 Sekunden
AC+:
Messpunkt 1: 11,4 Sekunden
Messpunkt 2: 12,9 Sekunden
- Testszenario (Von Bezug auf Einspeisung und zurück auf Bezug):
Es wird mit 300 W geladen
Verbraucher einschalten (1800 W)
Es wird mit 1200 W entladen --> Messpunkt 1
Verbraucher ausschalten
Es wird mit 300 W geladen --> Messpunkt 2
Hyper:
Messpunkt 1: 10 Sekunden
Messpunkt 2: 15 Sekunden
AC+:
Messpunkt 1: 14,5 Sekunden
Messpunkt 2: 14 Sekunden
Fazit:
Die Reaktionszeit vom Hyper ist allgemein konsistenter und in den meisten Fällen schneller. Der Hyper macht riesige Sprünge von 0 auf 1200 W, hingegen ist der AC+ etwas entspannter und macht ~ 200/300 W Sprünge in Richtung des Zielwerts, sieht im Graph dann aus wie eine Treppe. Der AC+ hatte öfters große Ausreißer, wo er 34-36 Sekunden brauchte... Cloud halt. Das habe ich in der Durchschnitt-Berechnung ausgeklammert, muss es aber erwähnen. Ohne lokale Kommunikation werden hier kaum beeindruckende Werte erscheinen mit dem Ecotracker. Für den Geldbeutel sind die paar Sekunden nicht nennenswert, ich würde mich trotzdem über eine schnellere Reaktionszeit des AC+ freuen.
Roundtrip Effizienz
Für das Thema Roundtrip Effizienz nutze ich einen Ladehub von 90%. Ohne Zusatzbatterie entspricht das: 2400 * 0,9 = 2160 Wh. Beginnend bei 100% bis 10% des SoC und zurück. Über den Shelly Plug PM werde ich die Wh in/out messen und dann den Wirkungsgrad berechnen.
Der Test wird zweimal (zur Verifizierung) mit 300 W, 1200 W und 2400 W in/out durchgeführt, damit am Ende ein realitätsnaher und zwei optimaler Wirkungsgrade bei raus kommen.
300 Watt
Entlade-Effizienz 98,15% (2120 Wh)
Lade-Effizienz 83,79% (2577 Wh)
Roundtrip 82,24%
1200 Watt
Entlade-Effizienz 100,77% (2176 Wh)
Lade-Effizienz 86,83% (2488 Wh)
Roundtrip 87,5%
2400 Watt
Entlade-Effizienz 100,97% (2181 Wh)
Lade-Effizienz 86,93% (2485 Wh)
Roundtrip 87,77%
Fazit:
Vorwort - Das Werte über 100% erscheinen, ist natürlich nicht möglich. Allgemein ist diese Messung mit Vorsicht zu genießen, aus folgenden Gründen:
Problem 1: Ich kann nicht garantieren, dass genau 2400 Wh verbaut sind. Man munkelt, dass Zendure wie auch viele andere Speicher-Hersteller eine kleine Reserve aus Gründen der Lebensdauer und zum Schutz vor Tiefentladung verbauen (Brutto/Netto Speicherkapazität).
Problem 2: Der SoC ist nicht 100% verlässlich, ich muss aber nunmal damit arbeiten.
Jetzt zu den guten Punkten. Ich finde es äußerst zufriedenstellend für meine Anwendungszwecke, dass bereits bei Lasten von 300 W eine sehr respektable Effizienz zu verzeichnen ist, die nicht weit weg von den Werten mit 1200/2400 W liegt.
Das hat sich auch im Alltag bei mir bestätigt. Seitdem ich den AC+ auf meinen 4 x AB2000 habe und etwas an unserer Warmwasser Zirkulationspumpe optimiert habe, verbrauche ich Nachts teilweise weniger als 30% der Gesamtkapazität. Für den Sommer (noch ohne Klimaanlage) kann ich dadurch die min/max Ladegrenze auf 30/70 % reduzieren und mein Speichersystem für 8-9 Monate des Jahres schonen.
Bei der Messung mit 2400 W hatte ich kurz vorm Ende das Problem, dass die Entladung abgebrochen ist. Mir ist es nicht direkt aufgefallen, aber eine halbe Stunde später war die Akku-Temparatur immer noch bei 58°C.
Ich habe zwar keine Meldung/Benachrichtung erhalten von Zendure oder Shelly. Mein Learning daraus ist, dass ich den AC+ weiterhin aktiv kühle mit meiner DIY Lösung. Schaden wird es nicht.





