Welche Faktoren beeinflussen die Lebensdauer und Kapazität der LifePO4.
Fazit vorweg: Alles Gute ist nie beisammen
Leistung versus Lebensdauer (eins von beidem geht nur)
Nehmen wir einen AB2000X:
Zendure schreibt: 6000 Ladezyklen (DOD >70%) (DOD = Depth of Discharge)
6.000 Zyklen bedeutet, dass die Batterie mindestens 6.000 vollständige Lade/Entladevorgänge durchhält, wenn sie pro Zyklus zu mindestens 70% entladen wird. Danach hat sie typischerweise noch etwa 70–80% ihrer ursprünglichen Kapazität.
Wichtig: nach den 6000 Ladezyklen ist die Batterie nicht tot, sondern hat weniger Kapazität.
LifePO4 ist am Ende sehr langlebig.
(mein) Beispiel: letztes Jahr : 165 mal auf 100% (vollständige Ladezyklen)
Dazu kommen die Teilzyklen (4*25% DoD sind auch 1 Ladezyklus)
Nehmen wir an: 250 Ladezyklen/Jahr
Also ....2500 Ladezyklen in 10 Jahren (weit weg von 6000). Gibts ein Problem?
Die Anzahl der Ladezyklen wird negativ beeinflusst durch:
- Sehr hohe Temperaturen (wenn zu hoch >40Grad) (Sommerproblem),
- Häufige Tiefentladungen Richtung 2,7V ,
- Sehr hohe Entladetiefen (DoD 90%, also Pendeln zw. 10%...100%)
- Sehr hohe Lasten (>0,5C, also das Entladen eines 20Ah Akkus mit 20A entspricht 1C (960W bei 48V))
- Sehr langes Halten bei 100% (besonders in Kombi mit hoher Temperatur)
Es gibt mind. diese fünf Faktoren. sicher noch ein paar mehr.....
Zum letzteren Faktor: Es gibt keine guten Quellen was"lang" ist. Sind 2..4h schon schlimm oder erst 6...12h oder gehts um Tage und Monate. Definitiv nicht gut ist das monatelange Einlagern bei 100%.
Selbst wenn die Anzahl der Zyklen sich durch (m)einen Betrieb halbiert....lebt der immer noch gut 10 Jahre und auch danach ggf. mit weniger Kapa.
Lebensdauer priorisieren senkt also Leistung und verfügbare Kapazität (JETZT und Sofort)
Leistung priorisieren senkt verfügbare Ladezyklen und am Ende verfügbare Kapazität (Aber erst SPÄT)
Und dann wäre da noch die Frage Verfügbarkeit an sich:
- Lebt mein Hub noch in 10 Jahren?
- Werden die Akkus in 10 Jahren noch von den Nachfolge-Hubs unterstützt?
Stand heute würde ich sagen: Definitiv stehen die Dinger nicht mehr in 10 Jahren auf meinem Balkon.
Aus dieser Gemengelage kann/muss man für sich ableiten, wie man seinen Akkustapel betreibt
z.B: Lebensdauer priorisierend:
- Immer bei 25Grad halten (also immer schön einpacken, kühlen oder wärmen)
- Immer mit maximal 0,5C (also Hochlast vermeiden, max. 480W bei einem 20Ah Akku)
- Nur mit DoD von <70% (also Kapazität verschenken)
- Tiefentladung unter 3V vermeiden (also DoD reduzieren)
- obere Ladegrenze runtersetzen (also DoD reduzieren)
Es ist eine Gratwanderung zw. Leistung und Lebensdauer. Beides geht nicht gleichzeitig.
meine Strategien sind (ungefähr auch in der Reihenfolge)
a) Leistung ist wichtiger, daher auch Kalibrierung auf 100%
b) DoD bei 80% im Sommer (20%...100%)
c) DoD bei 60% im Winter (40%...100%)
d) Mehr Akku (Preise fallen massiv), dann werden die Dinger nicht schon um 11 voll, ich habe mehr als das 4-fache der kW-Peak-Panelleistung an Akkukapazität, die werden perse nicht jeden Tag voll.
e) Entladung auf 0,5C begrenzen (mache ich nur im Winter, wenn die Akkus im Kältestress sind)
f) Akkus abbauen im Winter und Einlagern (mit kleiner 80% SoC)
g) Mit Automatisierung eingreifen
Keine der Strategien hat nur gute Seiten (wie fast immer)
Es ist eine Gratwanderung zw. Leistung und Lebensdauer. Beides geht nicht gleichzeitig. Und jeder muss für sich priorisieren....was ihm/ihr wichtig(er) ist. Richtig oder Falsch gibts da eher nicht. Nur Meinungen.
Was sind Eure Strategien?
Leistung oder Lebensdauer?
Und was macht ihr?