Für diejenigen, die der genaue technische Hintergrund dieser Akkuzustands-Drift-Thematik interessiert: Die eigentliche Kernursache, ist, dass die Lade-/Entladestromsensoren der Akkus einen sogenannten Offsetfehler haben, der von der Firmware aktuell nicht sauber rausgerechnet wird. Das heißt, dass die Akkus praktisch den ganzen Tag eine gewisse (exemplarabhängige, kann positiv oder negativ sein) Konstante von ein paar Watt auf ihre Lade-/Entladeleistung addieren. Die Ladezustands-"Messung" der Akkus funktioniert so, dass es zwei Synchronisierungspunkte gibt: Bei Erreichen einer bestimmten Pack-Spannung (ca. 52,4V) wird der Ladevorgang beendet und der Ladezustand auf 100% gesetzt. Bei Erreichen von ca. 42,0V (oder einer Unterschreitung von ca. 2,7V auf einer Einzelzelle) wird der Ladezustand auf 0% gesetzt. Die aktuell in den Akku geladene Energiemenge wird durch Integration (also kontinuierliches Aufsummieren) der gemessenen Lade-/Entladeleistung über die Zeit "verfolgt", und basierend auf dem so ermittelten Wert zwischen den letzten "Berührungen" von 0/100% wird die Kapazität des Akkus ermittelt. Der Ladezustandswert in Prozent ist dann diese aktuelle Energiemenge geteilt durch die ermittelte Akkukapazität. Ich denke, es ist ersichtlich, warum bei Vorhandensein eines Ladestrom-Offsetfehlers dieser Ladezustands-Wert über die Zeit "wegkriecht", bis er irgendwann gegen die 0% oder 100% kracht, egal, was der tatsächliche Ladezustand ist. Grundsätzlich funktioniert das bei praktisch jedem System mit LiFePO4-Akkus so, weil es praktisch unmöglich ist, den momentanen Ladezustand direkt zu messen, erst recht nicht unter Last. Der Unterschied, warum dieses System so viel mehr Probleme damit hat, basiert auf 2 Gründen: 1. Nicht funktionierender Kalibrierung dieses Offsetfehlers der Stromsensoren (wird hoffentlich in einer zukünftigen BMS-Firmware gefixed) 2. Ermöglichung der Einstellung von Lade-/Entladegrenzen in % statt als Spannungswerte. Letzteres führt dann dazu, dass diese Grenzen basierend auf völlig falschen Schätzungen des Ladezustands umgesetzt werden, und so diesen Ladezustandsmessungs-Drifts noch mehr Zeit geben, über die sie sich aufaddieren können. Eingefangen wird das erst, wenn der tatsächliche Ladezustand dann mal 0% oder 100% erreicht, was früher oder später passieren wird, egal was man einstellt. Die Heranziehung des Mittelwerts aller Akkus für die Lade-/Entladegrenze ist kein Problem. Tatsächlich ist dieser Wert oft näher an der Realität, als die Meinung der einzelnen Akkus, allein schon aus statistischen Gründen. Die Akkus sind alle parallelgeschaltet. Der tatsächliche Ladezustand kann dadurch zwischen den Akkus nicht nennenswert (und vor allem nicht nachhaltig - geringfügige Abweichungen während Auf- oder Entladung gleichen sich danach schnell wieder aus) abweichen. Diese Parallelschaltung wird nur getrennt, wenn einzelne Akkus komplett voll oder leer sind, oder wenn Akkus mit sehr unterschiedlichem Ladezustand erstmals zusammengesetzt werden. Es handelt sich somit vor allem um einen Anzeigefehler, aber mit dem ungeschickten Nebeneffekt, dass er eine Rückwirkung auf das Lade-/Entladeverhalten hat, wenn die Lade-/Entladegrenze nicht auf 100%/0% gesetzt ist. Diese Grenzen funktionieren somit aktuell schlicht nicht sinnvoll, sind aber auch für einen Betrieb dieses Systems eigentlich nicht erforderlich. Um den Verschleiß der Akkus etwas zu reduzieren, wäre es wünschenswert, die Lade- und Entladegrenzen (dann aber bitte als Spannungswert!) etwas enger setzen zu können, aber mehr als ein paar Prozent bringen da auch nicht viel. Typischerweise ist die Lebensdauer von LiFePO4-Akkus ohnehin so lang, dass es für die Wirtschaftlichkeit des Systems besser ist, den Akku fast vollständig auszunutzen. Meine Empfehlung wäre daher aktuell, die Lade- und Entladegrenze auf 100% und 0% zu stellen und die vom System gemeldeten Akkuzustände als unzuverlässig zu betrachten (siehe auch diverse Situationen wo der Akkustand schlagartig auf 0% fällt). Als Workarounds für manche anderen Bugs (Bypass-Aktivierung, Ignorieren von Terminplanpunkten durch Ausschalten des Hubs über Nacht, etc.) kann es aktuell sinnvoll sein, davon geringfügig abzuweichen und (je nach Problematik) 1% oder 99% zu setzen. Engere Grenzen, insbesondere beidseitig, bringen aktuell absolut gar nichts außer einer Reduktion der nutzbaren Kapazität, weil der ganze eingestellte Bereich solange driften wird, bis ein Ende davon bei 0 oder 100% ankommt.